Auswirkung

Industriesteinzeug, Naturfasern

2 Meter x 2 Meter x 0,3 Meter

2012

Eine serielle Arbeit, die Glisman 2009 erstmals ausführte, stellt das Werfen schwerer Tonrohre aus bis zu 25 m Höhe auf den Boden dar. Die eigens dafür konzipierte Keramik wird aus Industriesteinzeug gemischt, welches ursprünglich aus der Abwasserröhrenproduktion kommt, und in einem durch die Jahre optimierten Verfahren mit verschiedenen Naturfasern und Schamottesteinen vermengt wird. Mit diesem Ausgangsmaterial werden konisch geformte Zylinder, bis zu mehreren hundert Kilo Gewicht schwer, geformt und mit Kränen oder ähnlich massiven Zugsystemen längsseitig in die Luft gezogen und dann durch einen Fallmechanismus, den der Künstler mit industriellen Elektromagneten entwickelte, zu genau kalkulierten Zeiten fallen gelassen. Glisman hält sich akribisch an die Regeln des entwickelten Versuchsablaufs, berechnet die Gesetze von Statik und Magnetismus und anderen physikalischen Gesetzen, die ideale Zusammensetzung für das Ausgangsmaterial, um es anschließend im wahrsten Sinne loszulassen und es dem Zufall zu übergeben. Versiegelt, ausgegossen oder im Ofen gebrannt wird der Ton in seiner neuen Form konserviert und somit der Moment des Eindringens von Naturgewalten auf die kalkulierten Pläne des Menschen festgehalten. Die Skulptur erinnert in dieser ausgestopften Form an eine Trophäe, ein wildes Tier, das durch den Kampf des Menschen mit der Natur gefangen und für die Öffentlichkeit zur Ansicht präpariert wurde. 

Text: Maria Wildeis